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Aus Überangebot wird Orientierung

kavar · Marke und Geschäftsmodell für einen kuratierten Online Store

Der Markt für Smartphone-Zubehör ist riesig, austauschbar und wird über den Preis geführt. Aus einem Kanal für den Zweitverkauf von Mietrückläufern habe ich eine eigene Marke entwickelt, deren Leistung genau dort ansetzt: in der Auswahl.

Ausgangslage

Im Mietgeschäft fallen laufend Geräte an, deren Vertragslaufzeit endet. Ihre Weitervermarktung lief über Händlerpartner, die systematisch niedrigere Preise erzielen als der Direktverkauf an Endkunden. Bei Geräten mit geringer Retourenquote und bei Einzelstücken ist der eigene Vertriebsweg deutlich margenstärker und verringert die Abhängigkeit von wenigen Abnehmern. Der Einstieg erfolgte über eBay, anschließend entstand ein eigener Shop.

Ein Sortiment aus Rückläufern schwankt allerdings in Menge und Zusammensetzung – ein Geschäft, dessen Angebot jemand anderes bestimmt. Beim Blick auf den Markt zeigte sich das größere Bild: Zubehör für Smartphones wird ständig nachgekauft, bietet hohe Margen und ist planbar zu beschaffen. Erste Kontakte zu Herstellern bestanden bereits.

Strategische Frage

Zubehör wird überwiegend über stationäre Handelsketten und Online-Marktplätze verkauft. Beide bieten enorme Reichweite und behandeln die Ware gleich: Regalwände und endlose Trefferlisten voller Varianten, Farben und Modelle. Hersteller mit eigener Haltung verschwinden darin, und für Käufer wirkt Zubehör beliebig. Die Frage war, wie in einem solchen Markt ein Angebot entsteht, für das Menschen sich bewusst entscheiden.

Meine Rolle

Mitgründerin, verantwortlich für Strategie und Marketing. Ich habe Markt und Zielgruppen analysiert, die Positionierung entwickelt, die Marke kavar aufgebaut und beim DPMA eintragen lassen, die Sortimentslogik festgelegt sowie Shop, Markenprofile, redaktionelle Inhalte, Social-Media-Kanäle und Werbemittel konzipiert. Dazu kamen Akquise und Onboarding der Zubehörhersteller.

Analyse & Entscheidung

Ausgangspunkt der Analyse war das Verhalten der Käufer. Wer vor einer Zubehörwand steht, sucht meist ein oder zwei Produkte und arbeitet sich durch hunderte Varianten. Das Ergebnis ist Überforderung und eine Entscheidung, die häufig nach kurzer Zeit bereut wird, weil Qualitätsunterschiede bei Hüllen, Kabeln und Schutzgläsern erheblich sind.

Dahinter steht ein einfaches Muster: Menschen wollen ihr Smartphone schützen, laden und verschönern. Aus dieser Beobachtung entstand die Sortimentslogik – Cases, Displayschutz und Stromversorgung als drei klare Kategorien, ergänzt um die Tech Deals aus dem Mietgeschäft.

Die eigentliche Leistung der Marke wurde damit die Kuration: ein überschaubares Sortiment, ausgewählt nach hoher Qualität, charakteristischem Design und kompromissloser Funktion, sodass Käufer mit keinem Produkt eine falsche Wahl treffen können. Was den Markt überfordert, wird bei kavar im Vorfeld entschieden.

Diese Logik prägte auch die Gestaltung: minimalistisches Erscheinungsbild, klares Layout, zurückhaltende Typografie und ein Filtersystem, das die Auswahl weiter eingrenzt. Auf gebrochene Preise haben wir bewusst verzichtet, weil glatte Preise die erlebte Klarheit stützen und den Anspruch auf Hochwertigkeit unterstreichen.

Ergänzend bekamen die geführten Hersteller ein eigenes Profil im Shop. Auf Marktplätzen und im Handel verlieren gerade die interessanten Marken ihre Geschichte. Sie zu erzählen, machte das Sortiment nachvollziehbar und die Auswahl begründbar.

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Umsetzung

Umgesetzt wurden Positionierung, Markenname, Markenzeichen und Corporate Identity samt Styleguide sowie die Eintragung der Wortmarke. Dazu der eigene Shop auf WooCommerce mit Filtersystem und Kaufabwicklung, Markenprofile, ein redaktioneller Bereich mit Ratgeber- und Lifestyle-Beiträgen, Instagram- und LinkedIn-Präsenz, Produkt- und Unternehmenstexte sowie Werbemittel und Versandverpackung.

Parallel liefen Akquise und Onboarding der Hersteller sowie der Aufbau der drei Vertriebswege über eBay, Amazon und den eigenen Shop. Die gesamte Marken-, Marketing- und Kommunikationsleistung entstand intern.

Ergebnis

In den ersten sechs Monaten erwirtschaftete kavar rund 66.500 Euro Umsatz bei einer Durchschnittsmarge von etwa 40 Prozent, erzielt von einem vierköpfigen Team über drei Vertriebswege. Entstanden ist eine unterscheidbare Marke in einem Verdrängungsmarkt, mit einer Markenstrategie, die die Kommunikation über alle Kanäle vereinheitlichte und die Streuverluste im Marketing senkte.

Der Zweitverkauf der Mietrückläufer läuft seither als eigene Kategorie mit, ohne die Positionierung zu bestimmen. Damit steht das Geschäft auf einem Sortiment, dessen Beschaffung planbar ist.

Sichtbar wird hier, wie ich kognitionswissenschaftliches Wissen in ein Geschäftsmodell übersetze: Wo ein Markt seine Kunden mit Auswahl überlastet, wird die Reduktion von Komplexität selbst zum Wertversprechen – und zur Grundlage für Positionierung, Sortiment, Gestaltung und Preisdarstellung.

Kennzahlen

66.500 €
Umsatz in den ersten sechs Monaten
40 %
Durchschnittsmarge
3
Vertriebswege, Wortmarke beim DPMA